DIE EFB
Europäische Forschungsgesellschaft für Blechverarbeitung e.V.
Expertennetzwerk und Industrieforschung für die Zukunftsfragen und -lösungen der innovativen Unternehmen und Forschungseinrichtungen
Die EFB organisiert und fördert Industrieforschung als Gemeinschaftsprojekte, an denen sich Experten aus Industrie und Forschung beteiligen können, oder direkt Projekte vorschlagen. In Facharbeitskreisen werden Projektideen und laufende Projekte vorgestellt, diskutiert und bewertet.
Die EFB berät und initiert zukunftsgerichtete Forschungs-Roadmaps der Industrien.
Sie stellt den Wissenstransfer der Projektergebnisse über unterschiedliche Kanäle, wie Veranstaltungen und Messen sicher. Es werden kontinuierlich und zweckgebunden Kontakte zwischen Geschäfts- und Forschungspartnern, sowie Anwendern und Zulieferern entwickelt.
Projekte und Facharbeitskreise
Die von den Forschungseinrichtungen bearbeiteten Projekte behandeln Themen aus der gesamten Technologiekette der Blechverarbeitung.
Neue Forschungsideen, sowie der Projektfortschritt und die Ergebnisse werden von den Industrievertretern und EFB-Mitgliedern in den Facharbeitskreisen diskutiert und bewertet.
Kommunikation
Sie kommen in Kontakt mit Experten der gesamten Technologiekette der Blechverarbeitung, mit OEM, Zulieferern, Anwendern, Systementwicklern. So lernen Sie die vorhandenen Lösungen für Ihre Fragestellungen sowie die zukünftigen Trends kennen und finden kompetente Fachleute als Ansprechpartner.
Wissensvorsprung
Beteiligen Sie sich an Projekten zu neuen Werkstoffen und verarbeitenden Technologien. KMU und Gtroßunternehmen erhalten so Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen und können ihre eigene Innovationskraft im Industriekreis prominent darstellen. Lernen Sie interdisziplinär die neuen Entwicklungen im Maschinenbau kennen und nutzen Sie auch die Möglichkeit, Kontakte zu künftigen Nachwuchskräften zu knüpfen.
Das Profil
Die Europäische Forschungsgesellschaft für Blechverarbeitung e.V. (EFB) ist ein Verband für die Forschungseinrichtungen und Unternehmen der gesamten Technologiekette der Blech verarbeitenden und verwandten Industrie. Die EFB initiiert und fördert Projekte der anwendungsnahen Forschung und unterstützt die schnelle Umsetzung der Ergebnisse in den Industriebetrieben im Interesse ihrer Mitglieder, insbesondere kleiner und mittlerer Unternehmen.
In der EFB sind zur Zeit über 500 Unternehmen und Forschungsstellen engagiert bzw. als Mitglieder organisiert.
Die Mitgliedsunternehmen der EFB sind Blechhersteller, Hersteller von Umformpressen und Blechbearbeitungsmaschinen, Werkzeugbauer, Systemhersteller von Fügetechnologie, Automobilhersteller und deren Zulieferer, Hersteller von Elektrogeräten etc.
Aufgaben
Im Einzelnen nimmt die EFB folgende Aufgaben wahr:
- Beantragung von Fördermitteln über die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) und bei anderen öffentlichen Geldgebern
- Verwaltung der zugewiesenen Fördergelder (ca. 8 Mio. € im Jahr 2022)
- Durchführung von Arbeitskreisen zur Begleitung laufender und Initiierung neuer Forschungsprojekte
- Veröffentlichung der Forschungsergebnisse im EFB-Verlag
- Durchführung von Kolloquien, Praktika und Seminaren zur Unterstützung einer schnellen Umsetzung der Forschungsergebnisse in den Industriebetrieben und zur außerbetrieblichen Fortbildung
Arbeitskreise
Die Vorhaben zur Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) der EFB werden in den verschiedenen Arbeitskreisen gesteuert. Sie sind nach Themengruppen geordnet und tagen zweimal im Jahr:
- Mechanisches Fügen
- Optimierung Prozesskette & Digitale Fertigung
- Hybride Strukturen (Blech und Kunststoff)
- Technologie – Umformen und Stanzen
- Maschinen und Werkzeuge
In den Arbeitskreisen wird neuer Forschungsbedarf festgestellt, diskutiert und entschieden. Die Forschungseinrichtungen berichten über den Fortschritt in den laufenden Vorhaben; nach Abschluss des Projektes werden die Ergebnisse vorgetragen und besprochen.
Geschichte
Historisches
Gegründet wurde die EFB 1949 als Forschungsgesellschaft für Blechverarbeitung e.V. (FB) in Düsseldorf. Im Jahr 1954 zählte die FB zu den Gründungsmitgliedern der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen e.V. (AiF), die in den ersten Jahren in den Räumen der FB in Düsseldorf untergebracht war. Der erste Vorsitzende der FB, Herr Dipl.-Ing. Martin Westermann, war gleichzeitig der erste Vorsitzende der AiF.
Der nach dem Krieg beginnende Wiederaufbau der deutschen Industrie erforderte die Kooperation der Unternehmen, um die wenigen vorhandenen Ressourcen in der Forschung sinnvoll und zielgerichtet nutzen zu können. Diese Kooperation von Unternehmen in einem Forschungsprojekt, bei der die eigentliche Forschungsarbeit als Auftrag an Forschungsinstitute vergeben wird, ist die Grundidee der Forschungsförderung durch die AiF. Ihr ist die EFB bis heute treu geblieben auch wenn inzwischen das DLR Partner ist.
Mit der Umbenennung der Forschungsgesellschaft in Europäische Forschungsgesellschaft für Blechverarbeitung e.V. im Jahre 1992 wurde der Internationalisierung der Mitgliedsunternehmen Rechnung getragen.
Heute unterstützt die EFB ihre Mitglieder auch bei der Beantragung und Durchführung von Forschungsprojekten mit Fördermitteln aus der Europäischen Union (EU), ist aber auch Plattform für Austausch der Vorwettbewerblichen Forschung und Entwicklung für Unternehmen und Forschungsinstituten der Blechverarbeitung und naher Partner.
Übersicht
| bisherige Vorstände | Geschäftsführung | EFB-Ereignisse
| bisherige Vorstände | Geschäftsführung | EFB-Ereignisse
01.10.1948 Einrichtung einer „Forschungsstelle Blechverarbeitung“ am Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik der TH Hannover unter Leitung von Professor Dr.-Ing. O. Kienzle.
21.07.1949 Gründung der Forschungsgesellschaft Blechverarbeitung durch den Fachverband Stahlblechverarbeitung (damals Fachverband Blechwarenindustrie) unter dem Vorsitz von Dipl.-Ing. Martin Westermann. Alle Firmen des Fachverbandes werden Mitglieder der Gesellschaft. Der erste F.B.-Vorstand bestand aus den Herren Alfons Mauser, Professor Blume und Martin Westermann.
01.11.1949 Prof. Blume wird 1. Geschäftsführer.
18.07.1950 Organisatorische Trennung vom Fachverband und freiwillige Einzelmitgliedschaft der Firmen. Vorstand: Professor Dr. Burkhardt, A. Mauser und Dipl.-Ing. M. Westermann. Dr.-Ing. H. Wiegand wird Geschäftsführer.
18.07.1953 Der Gesellschaft wird auf der Rationalisierungsausstellung in Düsseldorf die Goldene Medaille verliehen.
01.01.1954 Professor Dr.-Ing. E. Siebel übernimmt vorübergehend die Geschäftsführung. Die Gesellschaft ist Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Industrieller Forschungsvereinigungen (AiF), deren erster Präsident Dipl.-Ing. M. Westermann wird.
19.02.1954 Dipl.-Ing. S. Hanf und F. Nordhausen werden Geschäftsführer.
03.03.1955 Alfons Mauser wird Vorsitzender.
01.07.1955 Dr. A. Rühenbeck wird Hauptgeschäftsführer.
01.01.1956 Prof. Dr.-Ing. G. Oehler wird hauptamtlicher Mitarbeiter der Gesellschaft in Düsseldorf unter Beibehaltung seines Lehrauftrages an der TH Hannover.
22.05.1957 Dr. A. Albano-Müller wird Vorsitzender.
13.06.1958 Alle Firmen des Fachverbandes Stahlblechverarbeitung werden Mitglied.
20.10.1958 Dr.-Ing. H. Groebler wird Geschäftsführer.
26.11.1963 E. Schnetzer wird Vorsitzender.
01.01.1966 Namensänderung in Deutsche Forschungsgesellschaft für Blechverarbeitung und Oberflächenbehandlung e.V.(DFBO).
18.10.1966 Auf der von der DFBO ausgerichteten 2. Internationalen Tagung für Blechverarbeiter wird der „International Council for Sheet Metal Development“ gegründet, an dem Deutschland, England, Frankreich und die USA beteiligt sind.
01.01.1973 Dipl.-Ing. H. Vesper wird Geschäftsführer.
01.01.1975 Dipl.-Ing. H. Fissler wird Vorsitzender.
16.7.1980 Die Aktivitäten der DFBO werden aufgeteilt. Die Aufgaben der Blechverarbeitung übenimmt die Deutsche Forschungsgesellschaft für Blechverarbeitung e.V.(DFB) mit Sitz Hannover. Das Institut für Umformtechnik und Umformmaschinen stellt Räume zur Verfügung, die die DFB von der Universität anmietet. Vorsitzender wird Professor Dr.-Ing. W. Panknin, stellvertretender Vorsitzender Prof. Dr.-Ing. E. Doege und Geschäftsführer Dr.-Ing. G. Bockel.
01.04.1983 Dr.-Ing. H.-D. Stenzel wird Geschäftsführer.
24.11.1988 Prof. Dr.-Ing. E.F. Wend wird Vorsitzender, und Prof. Dr.-Ing. Panknin wird zum Ehrenmitglied ernannt.
24.03.1992 Die Mitgliederversammlung beschließt die Umbenennung in Europäische Forschungsgesellschaft für Blechverarbeitung e.V. (EFB).
16.07.2005 Jubiläum: die EFB hat ihren Sitz seit 25 Jahren in Hannover.
01.09.2005 Dr.-Ing. Norbert Wellmann wird neuer Geschäftsführer.
2006
EFB-Verlag eingerichtet zum erweiterten Vertrieb der EFB-Forschungsberichte über den Buchhandel
2014
Beginn der Veröffentlichung anwendungsorientierter EFB-Merkblätter zur Umformtechnik
02.04.2019 Dipl.-Ing. Klaus Bernd Linnig wird Präsident der EFB.
01.04.2024 Dr.-Ing. Daniel Rosenbusch wird neuer Geschäftsführer.
06.05.2025 Dr.-Ing. Jens Bunte wird neuer Präsident und löst Klaus Linnig ab.
Geschichtliches zur Gründung der EFB im Jahr 1949
(Auszug aus der Rede von Dr.-Ing. Hans-Dieter Stenzel)
(Auszug aus der Rede von Dr.-Ing. Hans-Dieter Stenzel)
Geschichtliches zur Gründung der EFB im Jahr 1949
Auszug aus der Rede von Dr.-Ing. Hans-Dieter Stenzel, Geschäftsführer der EFB,
anlässlich der Feier zum 50-jährigen Bestehen der EFB am 21. Juli 1999 im TCH Hannover:Die Gründung der Europäischen Forschungsgesellschaft für Blechverarbeitung am 21. Juli 1949 steht im engen Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Lage Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg.
Die Industrieanlagen waren größtenteils zerstört oder demontiert. Die Infrastruktur nicht belastbar, weil Transportmittel fehlten und sich die Verkehrswege in einem schlechten Zustand befanden. Viele Brücken waren noch nicht wieder aufgebaut.
Seit der Kapitulation lag die deutsche Staatsgewalt in den Händen der Alliierten. Das Staatsgebiet war in Besatzungszonen aufgeteilt. Das Potsdamer Abkommen sah vor, das Hauptgewicht auf die Entwicklung der Landwirtschaft und der für friedliche Zwecke arbeitenden Industrien zu legen. Der Alliierte Kontrollrat arbeitete 1946 einen Ersten Industrieplan für Deutschland aus, der als Richtschnur der Industrieproduktion 50 – 55% des Umfangs von 1938 festlegte. Zum Teil wurden dabei wichtige Industrieproduktionen gänzlich verboten. Neben der Waffen- und Munitionsproduktion waren Seeschiffe, zahlreiche Chemikalien, Funk-Sende-Ausrüstungen, schwere Traktoren, schwere Werkzeugmaschinen, synthetische Treibstoffe, synthetischer Gummi und Kugel- und Rollenlager davon betroffen. So wurden folgende Beschränkungen verhängt: Stahl auf 7,5 Mio. t jährlich, chemische Grundstoffe auf 40% und Werkzeugmaschinen auf 11,4% der Kapazität von 1938.
Am 5. Juni 1947 schlug der US-Außenminister Marshall in einer Rede vor der Harvard-Universität den Zusammenschluss der Völker Europas zu einem gegenseitigen wirtschaftlichen Hilfs- und Wiederaufbauprogramm vor. Deutschland sollte in das Programm einbezogen werden. Durch die Weigerung der Sowjetunion, Polens und der Tschechoslowakei wurde der Marshall-Plan auf Westeuropa begrenzt. Zu seiner Durchführung wurde im Frühjahr 1948 die “Organisation for European Economic Cooperation (OEEC)” mit Sitz in Paris gegründet. Das schon am 2. Dezember 1946 vereinigte Wirtschaftsgebiet, Amerikanische und Britische Zone, sowie die Französische Zone und Westberlin wurden zunächst durch die jeweiligen Besatzungsmächte vertreten.
Am 28. August 1947 wurde auf einer Dreimächte-Konferenz in London der zweite Industrieplan veröffentlicht. Die deutsche Industrieproduktion in den Westzonen sollte auf 90 – 95% des Standes von 1936 gehoben werden. Trotzdem sollten noch 918 Industriewerke demontiert werden, und zwar 338 als so genannte Kriegsindustrien und 580 als so genannte überschüssige Betriebe.
Auf der Washingtoner Konferenz am 10. April 1949, die zum Abkommen über die Fusion der Westzonen führte, wurde sowohl das Demontageprogramm wesentlich eingeschränkt als auch die Listen der verbotenen und beschränkten Industrien revidiert.
Trotz aller Anstrengungen und Planungsvorgaben hatte die westdeutsche Produktion Mitte 1948 erst wieder die Hälfte ihres Standes von 1936 erreicht. Erst mit der am 20. Juni 1948 vollzogenen Währungsreform wurden die wesentlichen Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Wiederaufstieg geschaffen.
Die im Rahmen des Marshall-Planes geleistete Starthilfe beschleunigte die Rückkehr zu einem sich normalisierenden Wirtschaftsleben, das sich nunmehr ohne Fesseln von Bewirtschaftungs- und Preisreglementierungen entwickeln konnte. Prof. Ludwig Erhard, damaliger Direktor der Verwaltung für Wirtschaft des Vereinigten Wirtschaftsgebietes und späterer Wirtschaftsminister der Bundesrepublik Deutschland, erhob die “soziale Marktwirtschaft” zum tragenden Prinzip der Wirtschaftspolitik und den freien Wettbewerb zum alleinigen Regulator des Marktgeschehens.
Am 1. April 1949 schloss sich die Französische Zone dem Vereinigten Wirtschaftsgebiet an, und am 10. Mai 1949 fiel die Entscheidung für Bonn als vorläufige Hauptstadt der drei westlichen Besatzungszonen.
Durch den sich aus der Mangelwirtschaft langsam entwickelnden Käufermarkt wurden die Investitionen der produzierenden Industrie von der Kapazitätsausweitung zur Rationalisierung hingelenkt. Die Folge waren zunehmende Arbeitslosenzahlen, die Ende 1949 auf über 1,5 Millionen angestiegen waren. Hier wirkten jedoch die Freisetzung von Arbeitskräften durch Rationalisierung und der Zustrom von Vertriebenen aus den Ostgebieten zusammen.
Auch die wissenschaftliche Forschung sollte nach Kriegsende in ein Verbots- und Kontrollsystem einbezogen werden. Hierzu erließ der Kontrollrat am 26. April 1946 das Gesetz Nr. 25 zur Überwachung der wissenschaftlichen Forschung. Hiernach durfte die Forschung, soweit sie nicht unter die Verbotsbestände fiel, nur in Forschungseinrichtungen betrieben werden, die vom zuständigen Zonenbefehlshaber genehmigt waren. Diese Einrichtungen waren zur regelmäßigen Berichterstattung über ihre Tätigkeiten verpflichtet. Das technische und wissenschaftliche Personal war zu registrieren, die apparative Ausstattung der Institute zu melden.
Im September 1949 (also nach Inkrafttreten des Grundgesetzes) erließen die Militärregierungen für die drei Westzonen gleich lautende Gesetze zur Überwachung der wissenschaftlichen Forschung, die zwar die Bestimmungen des Kontrollratsgesetzes Nr. 25 nicht außer Kraft setzten, jedoch ihnen vorgingen. Mit diesen Gesetzen wurde der Weg freigemacht, die bestehenden Einschränkungen zu mildern und die administrative Zuständigkeit auf deutsche Stellen überzuleiten.
Nunmehr waren die Ministerpräsidenten der Länder zuständig. Diese übertrugen die Durchführung auf die jeweiligen Wirtschaftsministerien. Zur besseren Koordinierung wurde ein Länderausschuss für das Bundesgebiet gebildet. Der Vorsitz in diesem Ausschuss lag beim Bundesministerium für Wirtschaft.
Noch immer war die Forschungslandschaft von einem dichten Netz von Verboten und Kontrollen überzogen, und die angedrohten Sanktionen gegen Verstöße waren hart. Die Strafgerichtsbarkeit war obendrein den deutschen Gerichten entzogen. Grundsätzlich unterlag der Kontrolle jedwede Forschung auf dem Gebiet der Naturwissenschaften, der Mathematik und Technik, insbesondere auf Gebieten der Forschung zu technologischen und industriellen Zwecken. Nicht betroffen waren eigentlich nur die Geisteswissenschaften. Der Wiederbeginn wissenschaftlicher Betätigungen stand auch unter der schweren Hypothek der Zerstörung und Vernichtung von Gebäuden, Geräten und Bibliotheken. Von sechzehn Universitäten, acht technischen und acht wissenschaftlichen Hochschulen, waren nur noch sechs voll, sechs zu 50 – 75% acht bis zu 30% benutzbar, die restlichen beinahe völlig zerstört.
In diese bewegte Aufbauphase der Bundesrepublik Deutschland fiel die Gründung der “Forschungsgesellschaft Blechverarbeitung”. Als Vorstufe zur Gründung wurde bereits am 1. Oktober 1948 auf Betreiben von Dipl.-Ing. Martin Westermann, dem Vorsitzenden des Fachverbandes der Blechwarenindustrie, am Institut für Werkzeugmaschinen der Technischen Hochschule Hannover, das damals von Prof. Dr.-Ing. Otto Kienzle geleitet wurde, eine “Forschungsstelle Blechverarbeitung” eingerichtet. Knapp ein Jahr danach folgte dann am 21. Juli 1949 in einem Rüdesheimer Hotel die Gründung der “Forschungsgesellschaft Blechverarbeitung”. Sitz der Gesellschaft war Düsseldorf.
Der erste Vorstand bestand aus den Herren Alfons Mauser, Professor Blume und Martin Westermann. Am 1. November 1949 wurde Prof. Blume zum ersten Geschäftsführer der Forschungsgesellschaft Blechverarbeitung bestellt. Die Mitgliedsfirmen des Fachverbandes Blechwarenindustrie wurden geschlossen Mitglieder der Forschungsgesellschaft Blechverarbeitung.
In den gleichen Zeitraum fielen eine Reihe von interessanten Gründungen oder Wiedergründungen von wissenschaftlichen oder technischen Gesellschaften. So wurde 1948 die Max-Planck-Gesellschaft als Nachfolgerin der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft gegründet. Auch der VDI organisierte auf Initiative seines damaligen Vorsitzenden Hans Blum im August 1948 eine Gründungsversammlung. Am 2. Dezember 1948 konstituierte sich in Berlin das neu gewählte Präsidium des Deutschen Normen Ausschusses mit Professor Dr.-Ing. Erich Siebel als Präsident. Am 26. März 1949 wurde die Fraunhofer Gesellschaft in München ins Leben gerufen. Im Dezember 1949 folgte der Stifterverband der Deutschen Industrie. Im gleichen Jahr entstand auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft als Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft, die sich an dem Vorbild der nach dem ersten Weltkrieg ins Leben gerufenen Notgemeinschaft orientierte.
Die Wirtschaft war zu dieser Zeit die treibende Kraft für die vielfältigen Initiativen Forschung und Wissenschaft wieder auf die Beine zu stellen. So lautete 1949 ein gemeinsamer Aufruf der Spitzenverbände der Wirtschaft und zahlreicher Fachverbände unter Würdigung der immer noch in Deutschland herrschenden großen Not:
“Unter voller Würdigung des Vorrangs von Wohnraum und Nahrung müssen wissenschaftliche Forschung, Lehre und Ausbildung unser aller vordringliches Interesse finden…”
Der Bundesverband der Deutschen Industrie schreibt bereits 1949/50 in seinem Jahresbericht:
“Ohne Forschung keine Industrie und kein Export.”
und erweitert diese These im Jahresbericht 1950/51:
“Die Forschung von heute ist Arbeit und Brot von morgen.”
Der damalige Bundespräsident Theodor Heuss fasst den Gedanken 1949 noch treffender zusammen:
“Was heute nicht für die Wissenschaft getan wird, das wird morgen für die Menschen ohne Brot und Arbeit getan werden müssen.”
Hier stellt sich 50 Jahre nach der Gründung angesichts von knapp 4 Millionen Arbeitslosen die Frage: “Haben wir diese einfachen Grundregeln der Volkswirtschaft in den Jahren des Überflusses schlicht vergessen?” Die in die Zukunft gerichteten Aufwendungen für Forschung, Wissenschaft und Ausbildung war für die damalige Generation angesichts des Mangels an Erzeugnissen zur Befriedigung der täglichen Grundbedürfnisse viel schmerzlicher und einschneidender als in der heutigen Zeit. Insofern muss es wie Hohn klingen, wenn um die Ausgaben für Wissenschaft und Forschung gefeilscht wird, damit der Etat nicht noch weiter zusammengestrichen wird und Schulen und Ausbildungsstätten schließen müssen, weil kein Geld mehr zur Verfügung steht. Wir sollten uns endlich darauf besinnen, dass die Initiatoren der 40er und 50er Jahre teils unter primitivsten Arbeitsbedingungen den Grundstein für unseren heutigen Wohlstand gelegt haben. Manchmal scheint es, dass wir dieses Kapital heute wieder verspielen, weil es bequemer ist, Schulden zu machen und die möglichen Früchte der Zukunft zu verteilen, als den Riemen enger zu schnallen und in die Zukunft zu investieren.
