KünstlicheIntelligenz

Forschung braucht Freiheit und Geschwindigkeit

Forschung braucht Freiheit und Geschwindigkeit

Forschung braucht Freiheit und Geschwindigkeit – gerade in Zeiten immer kürzerer technologischer Entwicklungszyklen. Deutschland verfügt über eine starke Wissenschaftslandschaft, leistungsfähige Forschungseinrichtungen und Unternehmen mit hoher technologischer Kompetenz. Doch der internationale Wettbewerb verändert sich. Neue Technologien entstehen in immer kürzeren Zyklen, insbesondere bei Künstlicher Intelligenz. Damit wächst neben wissenschaftlicher Qualität und technologischer Kompetenz ein weiterer Wettbewerbsfaktor: Zeit.

Die aktuellen Positionierungen aus Wissenschaft und Industrie setzen deshalb wichtige Signale. Das Berliner Forschungsnetzwerk macht deutlich, dass freie Wissenschaft, internationale Zusammenarbeit und wissenschaftliche Unabhängigkeit Voraussetzungen für Innovation und wirtschaftliche Stärke sind. Fraunhofer-Gesellschaft und BDI richten den Blick zugleich darauf, wie wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in industrielle Anwendung und Wertschöpfung gelangen können. aif.de

Forschungsfreiheit und Geschwindigkeit zusammendenken

Aus Sicht der EFB gehören beide Fragen zusammen. Forschung muss frei genug sein, um neue Wege zu gehen und bestehendes Wissen infrage zu stellen. Gleichzeitig müssen unsere Forschungs- und Transferstrukturen beweglich genug sein, damit aus einer relevanten industriellen Fragestellung rechtzeitig ein Forschungsprojekt und aus Forschung rechtzeitig eine nutzbare Lösung werden kann.

Industrielle Gemeinschaftsforschung als Verbindung von Wissenschaft und Praxis

Gerade die Industrielle Gemeinschaftsforschung bietet dafür eine besondere Stärke: Unternehmen bringen konkrete Herausforderungen aus Entwicklung und Produktion ein, Forschungseinrichtungen ihre wissenschaftliche Kompetenz. In den gemeinsamen Strukturen können daraus Forschungsfragen, Projekte und anwendbare Ergebnisse entstehen. Genau diese Verbindung zwischen industriellem Bedarf, wissenschaftlicher Bearbeitung und Transfer gehört zum Kern der EFB.

Dr.-Ing. Daniel Rosenbusch, Geschäftsführer der EFB

Dr.-Ing. Daniel Rosenbusch, Geschäftsführer der EFB:

„Wir müssen nicht schneller forschen um jeden Preis, da wissenschaftliche Qualität und unabhängige Forschung nicht verhandelbar sind. Jedoch müssen wir schneller darin werden, relevante Themen zu erkennen, Entscheidungen zu treffen, Forschung zu ermöglichen und Ergebnisse in die Anwendung zu bringen.

Gerade bei Künstlicher Intelligenz sehen wir, wie stark sich die Geschwindigkeit technologischer Entwicklung verändert hat. Wenn zwischen einer industriellen Fragestellung, einem Forschungsprojekt und der Anwendung mehrere Jahre liegen, müssen wir uns fragen, ob unsere Prozesse noch zur technologischen Realität passen. Ein Thema kann wissenschaftlich hervorragend bearbeitet sein und trotzdem an Relevanz verlieren, wenn sich Technologie und industrielle Anforderungen währenddessen bereits weiterentwickelt haben.

Diese Verantwortung liegt nicht allein bei Politik und Fördergebern. Auch Forschungsorganisationen, Institute, Forschungsvereinigungen und Unternehmen müssen ihre eigenen Strukturen immer wieder daraufhin prüfen, ob sie schnell genug reagieren, priorisieren und Wissen übertragen können. Für mich gehört deshalb zu guten Forschungslösungen nicht nur, dass diese fachlich überzeugen und fundiert sind – sie müssen auch dann verfügbar sein, wenn die Industrie sie braucht.

Die Industrielle Gemeinschaftsforschung kann hier eine besondere Stärke ausspielen: Sie bringt wissenschaftliche Kompetenz und konkrete industrielle Fragestellungen früh zusammen. Wenn es uns gelingt, diese Verbindung noch beweglicher zu machen, können gerade mittelständische Unternehmen neue Technologien früher einordnen, gemeinsam erforschen und für ihre eigene Entwicklung nutzbar machen.“

Als EFB wollen wir deshalb nicht zwischen Forschungsfreiheit und Innovationsgeschwindigkeit wählen. Deutschland braucht beides: eine offene und unabhängige Wissenschaft und ein Forschungs- und Transfersystem, das mit der technologischen Entwicklung Schritt halten kann.
Dafür müssen politische und regulatorische Rahmenbedingungen überprüft werden. Aber auch die Akteure innerhalb des Forschungs- und Innovationssystems sollten ihre eigenen Abläufe, Prioritäten und Entscheidungswege kritisch betrachten.
Denn in einer Zeit immer kürzerer technologischer Entwicklungszyklen darf die Geschwindigkeit unserer Strukturen nicht selbst zum Innovationshemmnis werden.

Zu den Statements:
> https://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2026/august-2026/gemeinsames-positionspapier-von-fraunhofer-gesellschaft-und-bdi.html
> https://www.aif.de/wp-content/uploads/2026/09/Positionspapier_FreieWissenschaft0926.pdf